Einweichen, Keimen, Fermentieren: Was Verarbeitung für pflanzliches Protein tut

Hülsenfrüchte enthalten Stoffe, die die Verdauung von Protein bremsen. Verarbeitung kann sie abbauen. Wie viel das bringt, ist für manche Methoden gut gemessen, für andere kaum. Ein ehrlicher Überblick.

Stand: 7. Oktober 2026 · Grundlage: 8 wissenschaftliche Quellen

Kurz gesagt

Erhitzen ist am besten belegt: Bei rohem Sojamehl verdoppelte es die Verdaulichkeit des Proteins. Isolieren entfernt einen Großteil der Hemmstoffe. Für extrudiertes Erbsenprotein lagen einzelne Messungen bei 82 und 86, gegenüber einem Mittelwert von 70. Für Einweichen, Keimen und Fermentieren nennen die Studien positive Effekte, liefern aber keine Zahlen zur Proteinqualität. Verarbeitung kann auch schaden, vor allem durch starke Hitze.

Warum Pflanzenprotein Verarbeitung braucht

Viele Pflanzen schützen sich mit Stoffen, die die Verdauung bremsen. Herreman et al. 2020 nennen Trypsin-Hemmer, Phytat, Saponine, Glykoalkaloide und Glucosinolate. Dazu kommen Ballaststoffe und die Struktur der Proteine selbst. Moughan & Lim 2024 schreiben, dass Verarbeitung wie Einweichen, Erhitzen, Extrahieren oder Extrudieren die Verdaulichkeit oft verbessert, besonders bei pflanzlichen Lebensmitteln, weil sie solche Stoffe unschädlich macht.

Ein wichtiger Hinweis von Hertzler et al. 2020: Antinährstoffe sind nicht nur schlecht. In geringen Mengen können manche von ihnen etwa den Blutzucker oder das Cholesterin senken.

Erhitzen: der größte Effekt

Die deutlichste Zahl stammt aus einem Bericht der FAO (FAO-Unterausschuss 2012). Rohes Sojamehl mit aktiven Trypsin-Hemmern wurde an Schweinen getestet, einmal roh und einmal im Autoklav erhitzt:

Sojamehl roh und erhitzt
Protein roh37
Protein erhitzt77
Lysin roh41
Lysin erhitzt80

Scheinbare Verdaulichkeit im Dünndarm in %, entfettetes Sojamehl, gemessen an Schweinen. Daten: FAO-Unterausschuss 2012, Tabelle 3c.

Erhitzen hat die Verdaulichkeit also etwa verdoppelt. Das zeigt, warum Garen bei Hülsenfrüchten so wichtig ist. Mehr dazu im Artikel Kochen, Braten, Rösten.

Isolieren: weniger Hemmstoffe, aber nicht automatisch besser

Proteinisolate und -konzentrate werden so hergestellt, dass ein Großteil der Antinährstoffe entfernt wird. Laut Hertzler et al. 2020 wird Sojaprotein-Isolat zu 96 % oder mehr verdaut, Sojamehl nur zu 84 %.

Die Schweinestudie von Mathai et al. 2017 bestätigt das im Kern: Das Isolat enthielt nur rund ein Drittel der Trypsin-Hemmer des Sojamehls (2,75 gegenüber 8,06 Einheiten pro mg), und fast alle essenziellen Aminosäuren wurden besser verdaut (im Mittel 96 % gegenüber 93 %). Trotzdem hatte das Sojamehl den höheren DIAAS: 105 gegenüber 98 für Erwachsene. Bessere Verdaulichkeit allein entscheidet also nicht. Das Aminosäuremuster zählt mit.

Extrudieren: höhere Werte für Erbsenprotein

Beim Extrudieren wird eine Masse unter Druck, Hitze und Scherung durch eine Düse gepresst. So entstehen etwa Proteinsnacks oder die faserige Struktur von Fleischersatz. Laut Herreman et al. 2020 kommt Erbsenprotein im Mittel auf einen DIAAS von 70. Nach dem Extrudieren lagen einzelne Messungen bei 82 oder 86, je nach Temperatur (Kleinkind-Muster).

Ganz so einfach ist es aber nicht. Alotaibi et al. 2026 schreiben in ihrer Laborstudie zu Fleischersatz unter Berufung auf frühere Arbeiten, dass Isolieren, Extrudieren und Erhitzen die Proteinqualität auch verschlechtern können. Mehr dazu im Artikel Fleischersatz vs. Hähnchen.

Einweichen, Keimen, Fermentieren: plausibel, aber kaum gemessen

Für diese klassischen Methoden der Küche ist die Datenlage in den ausgewerteten Studien dünn:

Für Tempeh, Miso oder Sauerteig gibt es in unserer Quellenbasis keine DIAAS-Messung. Wer hier konkrete Zahlen nennt, sollte eine Quelle angeben können.

Wenn Verarbeitung schadet

Moughan & Lim 2024 betonen, dass Verarbeitung die Verdaulichkeit nicht immer verbessert. Vor allem Erhitzen und Trocknen kann über die Maillard-Reaktion Lysin zerstören, auch während der Lagerung. Beispiele aus den Studien:

Grenzen

Häufige Fragen

Was sind Antinährstoffe?

Stoffe in Pflanzen, die die Aufnahme von Nährstoffen bremsen können, zum Beispiel Trypsin-Hemmer, Phytat, Tannine und Saponine. Trypsin-Hemmer blockieren ein Verdauungsenzym für Protein.

Bringt Einweichen von Hülsenfrüchten etwas?

Die Studien nennen Einweichen als eine von mehreren Methoden, Antinährstoffe zu verringern. Bei Ackerbohnen war Einweichen und anschließendes Erhitzen laut einer zitierten Studie am wirksamsten. Genaue Zahlen zur Proteinqualität liefern die ausgewerteten Studien nicht.

Ist fermentiertes Soja besser verdaulich?

Mehrere Übersichten nennen Fermentation als Weg, Antinährstoffe abzubauen und die Verdaulichkeit zu verbessern. Belastbare Zahlen zum DIAAS fermentierter Produkte gibt es in den ausgewerteten Studien aber nicht.

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Quellen

  1. Moughan, P. J. & Lim, W. X. J. (2024): Digestible indispensable amino acid score (DIAAS): 10 years on. Frontiers in Nutrition 11, 1389719. doi:10.3389/fnut.2024.1389719
  2. Hertzler, S. R., Lieblein-Boff, J. C., Weiler, M. & Allgeier, C. (2020): Plant proteins: assessing their nutritional quality and effects on health and physical function. Nutrients 12, 3704. doi:10.3390/nu12123704
  3. Herreman, L., Nommensen, P., Pennings, B. & Laus, M. C. (2020): Comprehensive overview of the quality of plant- and animal-sourced proteins based on the digestible indispensable amino acid score. Food Science & Nutrition 8, 5379–5391. doi:10.1002/fsn3.1809
  4. Mathai, J. K., Liu, Y. & Stein, H. H. (2017): Values for digestible indispensable amino acid scores (DIAAS) for some dairy and plant proteins may better describe protein quality than values calculated using the concept for protein digestibility-corrected amino acid scores (PDCAAS). British Journal of Nutrition 117, 490–499. doi:10.1017/S0007114517000125
  5. Moughan, P. J., Gilani, S., Rutherfurd, S. M. & Tomé, D. (2012): Report of a Sub-Committee of the 2011 FAO Consultation on “Protein Quality Evaluation in Human Nutrition”, mit Anhang von Moughan & Rutherfurd: True ileal amino acid and protein digestibility for selected human foods. FAO, Rom.
  6. Reynaud, Y., Buffière, C., Cohade, B. et al. (2021): True ileal amino acid digestibility and digestible indispensable amino acid scores (DIAASs) of plant-based protein foods. Food Chemistry 338, 128020. doi:10.1016/j.foodchem.2020.128020
  7. Alotaibi, M., Muleya, M., Salter, A., Hoad, C. & Eldeghaidy, S. (2026): Comparison of the protein quality of chicken and plant-based chicken analogues using the INFOGEST in-vitro digestion system. Food Chemistry 520, 149734. doi:10.1016/j.foodchem.2026.149734
  8. Sharma, K., Zhang, W. & Rawdkuen, S. (2025): Dietary plant-based protein supplements: sources, processing, nutritional value, and health benefits. Foods 14, 3259. doi:10.3390/foods14183259

Werte für einzelne Lebensmittel und ihre Herkunft findest du unter Datenbasis & Quellen. Wie proteinscore rechnet, steht unter Methode.

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